Präanalytik in der Mikrobiologie

Die mikrobiologische Präanalytik nimmt wegen der Vielfalt an möglichen Materialien, Abnahmebestecken und Versandgefäßen eine Sonderstellung ein.

Materialgewinnung

Entscheidend für den Aussagewert mikrobiologischer Untersuchungen ist die qualifizierte Gewinnung den Untersuchungsmaterials.

Die Materialgewinnung sollte möglichst vor Beginn einer antibiotischer Therapie erfolgen. Bei Abstrichen werden für den kulturellen Nachweis der Keime Tupfer mit festem Transportmedium (Geltupfer) benötigt.

Bei bestehendem klinischem Verdacht auf eine urogenitale Infektion, Untersuchung auf Chlamydien/Gonokokken, Myko/Ureaplasmen, und Trichomonaden aus Erststrahlurin (10-15 ml), oder Urethral/ Zervixabstrich mittels PCR empfohlen.

Lagerung & Transportmedien

Alle Materialien sind grundsätzlich als kontagiös zu betrachten (Personenschutz). Daher müssen Untersuchungsmaterialien in sterile, verschluss- und bruchsichere Probengefäße gegeben werden.

Folgendes sollte deshalb unbedingt beachtet werden:

  • Verwendung der richtigen Transportgefäße / Transportmedien / Abnahme-Bestecke.

Für viele Erregernachweise stehen spezielle Transportmedien bzw. Entnahme-Kits zur Verfügung, die z. T. nicht austauschbar sind (z. B. Chlamydienbesteck).

  • Korrekte Zwischenlagerung des Materials.

Für ein gutes Ergebnis ist neben der Transportzeit auch die Transporttemperatur entscheidend.

Material Raumtemperatur Kühlschrank (4°C)Brutschrank (37°C)
Abstriche im Transportmedium +
Stuhl +
Urin, nativ +
Uricultgefäß +
Sputum +
Material f. Dermatophyten +
  • Punktate in Spritze belassen, mit sterilem Verschluss versehen und so schnell wie möglich ins Labor!
  • Nativurinröhrchen mit Borat-haltigem Transportmedium verhindern die Vermehrung der Bakterien, töten sie aber keineswegs ab. Borat-haltige Urine sind NICHT für PCR- Untersuchungen (Chlamydien/Gonokokken) geeignet. Bitte 15 ml Erststrahlurin einsenden.

Borat Urin Röhrchen

  • Empfindliche Keime (z.B. Haemophilus influenzae, Gonokokken oder Pneumokokken) müssen möglichst schnell in Kultur gebracht werden, um Sensitivitätsverluste durch eine eingeschränkte Überlebensfähigkeit oder eine Überwucherung der gesuchten Erreger durch Begleitkeime zu vermeiden.

Befunderstellung & Beratung

Einen entscheidenden Beitrag zu kurzen Befundlaufzeiten liefern in unserem Labor verschiedene vollautomatisierte Verfahren zur schnellen Differenzierung von Bakterien und Pilzen sowie zur Anzucht und Resistenz-Bestimmung.

In Ergänzung zu den erhobenen mikrobiologischen Befunden bietet unsere Mikrobiologie eine umfangreiche infektiologische Einsender-Beratung an. Unser Beratungsangebot umfasst die gezielte und fachlich begründete Auswahl von Resistenzmuster sowie Empfehlungen zum leitliniengerechten, effektiven und kostenbewussten Einsatz von Antibiotika. Die Auswahl der Antibiotika (EUCAST- Richtlinien) für die Resistenztestung erfolgt nach ermitteltem Erreger, klinischer Fragestellung oder nach spezieller Anforderung.